Systemisches Focusing 


Unter dem Titel "Systemisches Focusing" werden hier Konzepte vorgestellt, die das klassische Focusing nach Eugene T. Gendlin mit einer transpersonal-psychologischen Perspektive verbinden.
Bei diesem Ansatz interessieren wir uns für die strukturellen Aspekte unserer Psyche und dafür, wie sie mit Hilfe der Focusing-Achtsamkeitspraxis befreit werden können. Diese Loslösung aus unseren Gebundenheiten an innere Strukturen, können wir auch als Des-Identifikationsprozesse auffassen.

Wenn wir auf strukturelle Phänomene fokussieren, dann möchten wir verstehen, wie sie organisiert sind. Wir betrachten die psychischen Ereignisse aus einem gewissen Abstand, tauchen nicht in das Erleben direkt ein. In der modernen Systemtheorie nennt man das eine Beobachtung 2. Ordnung (im Gegensatz zur direkten Erfahrungsebene - die 1. Ordnung.)

Die Persönlichkeit
Unsere Persönlichkeit wird von zwei wesentlichen Einflüssen geprägt. Es gibt eine individuelle Prägung, die alles umfasst, was wir im Laufe unserer persönlichen Biographie an strukturellen Festlegungen erworben haben. Im alltäglichen Sprachgebrauch verwenden wir dafür das Wort Charakter (griech.: das Geprägte). Darüber hinaus spielen aber auch kollektive Prägungen eine wesentliche Rolle in unserer Persönlichkeitsentwicklung. Diese reichen von geschichtlich-kulturellen Einflüssen bis hin zu den Übertragungen, die aus der persönlichen Vorfahren-Reihe stammen und in der zeitgenössischen Psychologie immer mehr Aufmerksamkeit bekommen.

Strukturgebundenheiten
Prägende Einflüsse erzeugen strukturelle Festlegungen, im Focusing werden diese Phänomene Strukturgebundenheiten genannt. Solche Festlegungen finden wir auf allen Ebenen unseres menschlichen Daseins, sie fallen durch Wiederholungen, Typisches, Musterhaftes, Automatismen etc. auf. Die typische Körperhaltung, wiederkehrende Konflikte, Automatismen in unseren Gefühls-, Denk- und Verhaltensmustern, sind nur ein paar Beispiele, die sich hier aufzählen lassen.

Psychisches Leid
Psychisches Leid wird erfahren durch die Einengungen (Gebundenheiten), die uns solche Muster auferlegen. Wir fühlen uns z.B. gefangen in unseren Ängsten und negativen Gedanken, oder leiden darunter, dass wir menschlich nicht anders reagieren können als nur auf eine bestimmte Art. Manchmal erleben wir uns auch in einem Leid-Kreislauf, in dem schmerzhafte Erfahrungen auf immer wieder gleiche (ähnliche) Weise wiederkehren.

Loslösung und Befreiung
Wenn subjektives Leid immer mit einem Gebunden-Sein in Zusammenhang steht, dann ist Heilung (Linderung von Leid)  konsequenterweise immer ein Vorgang der Befreiung. Jemand, dem die buddhistischen Lehren vertraut sind, wird an dieser Stelle aufmerken, weil diese Aussage (Weisheit) dort zu den essentiellen Lehren gehört. In der kurzen Tradition des Focusing, sind wir auf experientellem Wege, der sich zunächst ganz im Rahmen der humanistischen Therapieformen und auf dem Hintergrund phänomenologischer philosophischer Traditionen bewegt hat, zu den gleichen zeitlosen Einsichten gelangt.


Maria-Anne Gallen
letzte Überarbeitung 12/09

Literatur:

  • Gallen, M.-A.: Die Wandlung der Persönlichkeit. Der Mensch im Wandel – Focusing. In: connection-spirit 12/09 (pdf-download)



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